Nachrichten

    „Kesseltreiben“ gegen den Betriebsrat bei Kaufland in Rödermark

    „Kesseltreiben“ gegen den Betriebsrat bei Kaufland in Rödermark

    Haltlose Behauptungen?

    Am 11. Juli 2021 teilte ver.di der Geschäftsführerin Vertrieb Region Süd-West von Kaufland, Nicole Krauss, mit, „der Bogen des Unerträglichen gegenüber unserem Kollegen Mario Lombisani, Betriebsratsvorsitzender der Kaufland-Filiale Rödermark, wurde überspannt. Da Sie selbst in diesen seit Jahren schwelenden Konflikt im Markt involviert waren, wollen wir Sie darauf hinweisen, dass wir – ver.di – diese Entwicklung nicht länger mitansehen, sondern unverzügliches Handeln – Ihrerseits und unsererseits – nicht nur für dringend geboten, sondern für überfällig halten. Denn die gezielten Angriffe auf den Betriebsratsvorsitzenden haben eine Dimension und eine Qualität erreicht, dass sie sich uns als ein organisiertes ‚Kesseltreiben‘ darstellen, wie es von verschiedener – auch von ‚höchster‘ Stelle bei Kaufland – betrieben zu sein scheint.“ Dabei wurde auf folgende zeitlich unmittelbar im Zusammenhang stehende und inhaltlich verknüpfte Vorfälle hingewiesen:

    1. Am 1. Juli 2021 wurde Mario Lombisani durch den Hausleiter Johann Jäckel das „Angebot“ unterbreitet, er bekäme eine zweijährige bezahlte Freistellung mit Aufhebungsvertrag, wenn er das Arbeitsverhältnis beenden würde.

    2. Dieses „Angebot“ behandelte der Hausleiter keinesfalls vertraulich, sondern informierte darüber „brühwarm“ eine Warenbereichsleiterin (= Abteilungsleiterin).

    3. Am 1. Juli 2021 versuchte ein Jurist der Abteilung Personal/Ar­beits­recht in der Kaufland-Zentrale, die beiderseitig vereinbarte und von ihm selbst noch im Februar dieses Jahres bestätigte Freistellung des Betriebsratsvorsitzenden für diese Tätigkeit in Frage zu stellen.

    4. Am 7. Juni 2021 hatte bereits eine andere als die oben genannte Warenbereichsleiterin einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Untergrabung der Mitbestimmung und des Engagements des Betriebsratsvorsitzenden geleistet. Nach Zeugenaussagen äußerte sie gegenüber Beschäftigten des Marktes, „man“ müsse bei Mario Lombisani aufpassen, denn er sei „falsch“ und würde die Belegschaft spalten.

    5. Schließlich gewann eine Warenbereichsleiterin den Eindruck, dass, wer mit Mario Lombisani enger zu tun habe oder tatsächlich oder vermeintlich auf seiner Seite stehe, vom Hausleiter Johann Jäckel deutlich anders als andere Beschäftigte behandelt werde.

    ver.di forderte die Kaufland-Geschäftsführung auf: „Sie sorgen bitte dafür, dass der Hausleiter Johann Jäckel sich gesetzeskonform verhält, jeden Angriff auf Mario Lombisani als Betriebsrat und Beschäftigter bei Kaufland unterlässt, seine ‚Trabanten‘ im Kreis der Führungskräfte und der Belegschaft ‚zurückpfeift‘ und sich trotz aller möglichen Querelen bei den üblichen Fragen der Mitbestimmung und des Engagements eines Betriebsrates an die gesetzlich vorgegebenen Formen der Kompromissfindung und Konfliktlösung hält. Besser wäre es aus unserer Sicht selbstverständlich, den Hausleiter unverzüglich aus dem Markt zu nehmen, weil nach unserer Erfahrung und Auffassung er einen entscheidenden Beitrag zur bestehenden Situation … geleistet hat – und sich offenbar unverändert nach gleichem Muster wie ‚damals‘ verhält.“

    Die Kaufland-Geschäftsführerin Nicole Krauss ließ am 13. Juli 2021 gegenüber ver.di erklären, bei diesen Vorwürfen handele es sich um „haltlose Behauptungen“, die „nach Rücksprache jeglicher Grundlage“ entbehren und „entschieden zurückgewiesen“ würden. ver.di will nun dafür sorgen, dass Betriebsräte von Kaufland und auch anderer Unternehmen von diesen Vorgängen in der Kaufland-Filiale Rödermark erfahren – und hofft auf breitere Solidarität mit dem dortigen Betriebsrat.