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Mutterschutz

Mutterschutz

Das Mutterschutzgesetz
Damit eine Schwangerschaft nicht zum Jobrisiko wird, haben die Gewerkschaften besondere Schutzvorschriften für werdende und stillende Mütter durchgesetzt. Wir helfen Ihnen, dass Sie zu Ihrem im Mutterschutz festgeschriebenen Recht kommen.

Besonderer Schutz:
Das Mutterschutzgesetz regelt Arbeitszeiten, Kündigungsschutz, Freistellung und Beschäftigungsverbote für schwangere und stillende Frauen. Auch Entlohnung, Mutterschaftsgeld und weitere Leistungen der Mutterschaftshilfe sind hier festgelegt. Es muss in jedem Betrieb, der Frauen regelmäßig beschäftigt, ausgehängt oder ausgelegt werden.

Die besonderen Vorschriften im Mutterschutzgesetz dienen dazu, Sie und Ihr Kind während der Schwangerschaft und nach der Entbindung vor gesundheitlichen Risiken und Schäden zu schützen, die von ihrem Arbeitsplatz ausgehen könnten. Außerdem soll es Ihnen die Betreuung von Säuglingen und Kleinkindern erleichtern.

Ihr Anspruch:
Mutterschutz kann jede schwangere Frau in Anspruch nehmen, wenn sie sich in Deutschland in einem Arbeits-oder Ausbildungsverhältnis befindet. Die Schutzbestimmungen gelten in gleichem Maße für Voll-oder Teilzeitbeschäftigte sowie für Heimarbeiterinnen.

Rechte und Pflichten

Ihr Arbeitgeber hat Pflichten:
Die kann er aber nur wahrnehmen, wenn er von Ihrer Schwangerschaft weiß. Daher sollten Sie ihn möglichst frühzeitig über die Schwangerschaft und dem voraussichtlichen Entbindungstermin informieren.

Ihr Arbeitgeber muss Ihre Schwangerschaft dem Gewerbeaufsichtsamt und dem Betriebs-oder Personalrat mitteilen. Denn das Gewerbeaufsichtsamt kontrolliert die Einhaltung der Schutzvorschriften. Darüber hinaus ist Ihr Arbeitgeber zum Stillschweigen verpflichtet. Verlangt er ein Attest von einem Arzt oder einer Hebamme, muss er es selbst bezahlen.

Ihre Rechte bei Bewerbungen:
Keine Frau ist verpflichtet, den Arbeitgeber in einem Bewerbungsgespräch über eine Schwangerschaft zu informieren -auch nicht bei direkter Nachfrage! Der Arbeitgeber darf gar nicht danach fragen. Schwangerschaftstests sind bei einer Einstellungsuntersuchung grundsätzlich nicht zulässig.

Arbeitserleichterungen

Kein Stress
Werdende und stillende Mütter dürfen keine Überstunden machen, keine Nachtarbeit (20 Uhr bis 6 Uhr) und nicht an Sonn-und Feiertagen beschäftigt werden. Sonderregelungen bestehen in Bereichen wie Krankenpflegeanstalten, Kultureinrichtungen oder der Gastronomie.

Arzt geht vor
Schwangere Frauen müssen für alle Vorsorgeuntersuchungen von der Arbeit freigestellt werden. Verlangt der Arbeitgeber eine ärztliche Bescheinigung, muss er sie selbst bezahlen. Stillende Frauen haben Anspruch auf zwei zusätzliche halbstündige Pausen täglich, selbstverständlich bei voller Bezahlung.

Arbeitsschutz
Schwangere und stillende Frauen dürfen keine schwere körperliche und gesundheitsschädliche Arbeit leisten. Bisher gibt es noch kein generelles Beschäftigungsverbot für Bildschirmarbeitsplätze. Wenn Sie Angst haben, die Strahlen vom Computerbildschirm könnten Ihrem Baby schaden, wenden Sie sich an den Betriebs-oder Personalrat bzw. an die Gewerbeaufsichtsämter. Dort bekommen Sie Rat und Hilfe.

Individuelle Arbeitsverbote
Stellt der Arzt fest, dass die Gesundheit von Mutter und Kind durch die bisherige Tätigkeit gefährdet sind, muss Ihnen der Arbeitgeber eine andere zumutbare Arbeit anbieten oder Sie von der Arbeit freistellen -ohne Lohnkürzung.

Generelle Arbeitsverbote
Die letzten sechs Wochen vor dem voraussichtlichen Entbindungstermin und die ersten acht Wochen danach (Mehrlingsgeburten 12 Wochen) muss Sie Ihr Arbeitgeber von der Arbeit freistellen. Krankenkasse und Arbeitgeber bezahlen Ihnen weiterhin Ihren vollen Lohn. Vor der Geburt darf die schwangere Frau auf eigenen Wunsch weiterarbeiten. Dann bekommt sie aber kein Mutterschaftsgeld. Nach der Entbindung besteht absolutes Beschäftigungsverbot!


Sicherheit:

Lohnfortzahlung
Bestehen generelle oder individuelle Beschäftigungsverbote, darf das keine finanziellen Nachteile für die werdende Mutter zur Folge haben. Das heißt, der Arbeitgeber muss das Durchschnittseinkommen der letzten drei Monate bzw. 13 Wochen vor Beginn der Schwangerschaft, einschließlich Schicht-und Überstundenzuschläge, weiter bezahlen.

Lohnerhöhung
Verdiensterhöhungen, zum Beispiel durch Tarifabschlüsse, müssen auf jeden Fall weiter gegeben werden. Unverschuldete Verdienstkürzungen hingegen, zum Beispiel durch Kurzarbeit, bleiben unberücksichtigt.

Erholungsurlaub
Zeiten, in denen Sie aufgrund schwangerschaftsbedingter Beschäftigungsverbote nicht arbeiten, lassen Ihren Anspruch auf Erholungsurlaub grundsätzlich unberührt.

Kündigungsschutz:
Von Beginn der Schwangerschaft bis vier Monate nach der Entbindung besteht Kündigungsschutz. Wenn Ihnen Ihr Arbeitgeber kündigt, bevor er weiß, dass sie schwanger sind, wird die Kündigung unwirksam, wenn Sie ihm spätestens bis zu zwei Wochen nach Zugang der Kündigung darüber informieren. Die Schwangerschaft muss zum Zeitpunkt der Kündigung schon bestehen..
Der Kündigungsschutz gilt gleichermaßen für Voll-und Teilzeitbeschäftigte, auch am Ende der robezeit. Bei befristeten Arbeitsverhältnissen gilt der Kündigungsschutz bis zur Befristung. Das Mutterschutzgesetz gilt auch für Auszubildende. Nach dem Ende der Ausbildung besteht der Kündigungsschutz fort, wenn zuvor eine Weiterbeschäftigung in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis vereinbart wurde. Ausnahmen gibt es nur bei Insolvenz, der teilweise Schließung des Betriebes (wenn die Schwangere nicht auf einen anderen Arbeitsplatz umgesetzt werden kann) oder in Kleinbetrieben, wenn der Betrieb ohne qualifizierte Ersatzkraft nicht fortgeführt werden kann. Der Arbeitgeber muss in diesen besonderen Fällen aber bei der Aufsichtsbehörde die Erlaubnis für die Kündigung beantragen. Ihre ver.di Betriebs-oder Personalräte und die Gewerbeaufsichtsämter informieren Sie gerne. Kündigungsschutz besteht auch, wenn Sie im Anschluss an den Mutterschutz Elternzeit nehmen
Der Kündigungsschutz endet, wenn die Schwangerschaft etwa durch eine Fehlgeburt nicht mehr gegeben ist.

Beachten Sie:
¦ Kündigen Sie nie selbst
¦ Stimmen Sie nie der Auflösung Ihres Arbeitsvertrages zu
¦ Sollte Ihnen der Arbeitgeber kündigen, wenden Sie sich sofort an den Betriebs-oder Personalrat, an ihre ver.di-Geschäftsstelle oder das Gewerbeaufsichtsamt. Machen Sie sich keine Sorgen, dass Sie Ihrem Betrieb zur Last fallen könnten. Kleinbetriebe erhalten fast alle Aufwendungen, die ihnen durch Ihre Schwangerschaft entstehen, durch das allgemeine Umlageverfahren der Krankenkassen erstattet.

Mutterschaftsgeld
Sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung (Mehrlingsgeburten 12 Wochen) bekommen Sie Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse und Ihrem Arbeitgeber. Voraussetzung ist, dass Sie zwischen dem zehnten und dem vierten Monat vor der Entbindung mindestens zwölf Wochen lang versichert waren. Die Zeiten des Mutterschaftsgeldbezugs nach der Entbindung werden nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz BEEG vom 01.01.2007 von der Bezugsdauer des Elterngeldes von maximal 14 Monaten abgezogen. Die Höhe des Mutterschaftsgeldes richtet sich nach dem Nettolohn der letzten drei Monate bzw. 13 Wochen vor Beginn der Schutzfrist vor der Entbindung. Die Krankenkasse zahlt höchstens 13 Euro pro Kalendertag. Die Differenz zum Nettoverdienst wird vom Arbeitgeber getragen. Einmalzahlungen, wie das 13. Monatsgehalt, werden – je nach Tarifvertrag – berücksichtigt.

Wichtig
¦Der Anspruch auf Mutterschaftsgeld bleibt auch bei Streik oder Aussperrung erhalten.
¦Frauen in einem Arbeitsverhältnis, die nicht selbst Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung sind (weil privat-oder familienversichert) erhalten ein einmaliges Mutterschaftsgeld in Höhe von maximal 210 Euro. Zuständig ist das Bundesversicherungsamt. Der Arbeitgeber muss auch hier die Differenz zwischen 13 Euro und dem kalendertäglichen Nettolohn zahlen.
¦Eine Versicherte, die keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld hat, erhält nach der Entbindung ein Entbindungsgeld von 77 Euro.
¦Arbeitslose Frauen erhalten von der Krankenkasse Mutterschaftsgeld in Höhe ihrer vorherigen Leistungsbezüge. Das gilt nur, wenn sie zwischen dem zehnten und dem vierten Monat vor der Entbindung mindestens zwölf Wochen lang versichert waren.